Sehr geehrte Chorfrauen des heiligen Augustinus von der Congrégation Notre Dame aus Frankreich:
Sr. Marie Alexia NGUYEN, Superieure générale
Sr. Odile Gyot-Sionnest, Secrétaire générale aus Fontenay sous Bois,
Sr. Christelle-Marie Michaux und Sr. Florence Hersant aus Nancy,
Sr. Marie-Paule Sieffert aus Strasbourg,
Sr. Odile Dapp, Sr. Marie-Odile Dubois de Montreynaud, Sr. Marie-Paule Dubart aus Mattaincourt,
Sehr geehrte Schwestern aus Deutschland:
Sr. Dorothea Kuld aus Essen
Sr. Gabriela Zmuda aus Paderborn
Sehr geehrter Abbé Francois-Marie Boucher, Rektor der St. Pierre-Fourier-Basilika in Mattaincourt,
Sehr geehrte Assoziierte der Congrégation Notre Dame
Mme Sabine Didelot aus Paris,
Madame Françoise Hervé aus Nancy
Madame Cécile Jacquerye aus Jupille in Belgien
Monsieur Louis Chevalier aus Mattaincourt,
Sehr geehrte Ehepaare:
Adé und Fiorinelli aus Nancy,
Sehr geehrter Herr OStD Mecke aus Paderborn,
Sehr geehrter Herr Wyrobisch
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern und Gäste,
es ist für mich heute eine große Ehre und Freude zugleich, Sie alle in der Stadt Trier begrüßen zu dürfen, in der vor 421 Jahren der Gründer der Augustiner Chorfrauen der Congrégation Notre Dame weilte. Im Jahre 1589, als unsere Porta Nigra noch die Stiftskirche St. Simeon war, wurde in diesem Gotteshaus der 24jährige, hochbegabte, im lothringischen Mirecourt geborene Augustiner Chorherr Pierre Fourier zum Priester geweiht.
Acht Jahre später gründete er zusammen mit der seligen Alix Le Clerc in Mattaincourt die Congrégation Notre Dame, die Augustiner Chorfrauen, die das Menschenrecht auf Bildung durch kostenlosen Schulunterricht für Mädchen und junge Frauen verwirklichten. In Lothringen geschah das ab 1598, in Luxemburg ab 1627 und in Trier ab 1640, als noch zu Lebzeiten des Pierre Fourier die Luxemburgerin Marguerite de Busbach, Witwe des Melchior von Wiltheim, mit ihren Töchtern allesamt Augustiner Chorfrauen in der Nähe des Trierer Viehmarktes eine Niederlassung der Fourier-Kongregation eröffneten. Ein Jahr nach der Seligsprechung von Pierre Fourier bezogen im Jahre 1731 die Schwestern, die in Trier Welschnonnen genannt wurden, das hiesige Klostergebäude und leisteten die Erziehungs- und Bildungsarbeit für Mädchen und junge Frauen bis zu ihrer Vertreibung 1875 durch die Preußische Regierung in der Zeit des Kulturkampfes. Insgesamt wirkten die Welschnonnen in Trier 235 Jahre. Aus der Trierer Niederlassung der Welschnonnen ist das Auguste-Viktoria-Gymnasium, hervorgegangen. Der Klosterbau ist für unseren Unterricht ein wichtiges Gebäude, welches aufgrund seiner Geschichte zu bewahren ist. Deshalb freuen wir uns sehr darüber, dass die langersehnte Generalsanierung des Gebäudes bevorsteht und noch besser und ansehnlicher für unseren Unterricht genutzt werden kann.
Im Rahmen des UNESCO-Schulprojektes „Denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule“, haben Schülerinnen und Schüler diese Vorgeschichte des Auguste-Viktoria-Gymnasiums Trier ans Licht gebracht. Im Auguste-Viktoria-Gymnasium ist das Erbe Pierre Fouriers dadurch lebendig geworden. Am Jahrestag seines Todes am 9. Dezember weht an der Fassade des Klosterbaus ihm zu Ehren die historische Fahne Lothringens und die Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Trierer gedenken an diesem Tag seines Lebenswerkes. Eine Schüler- und Lehrergruppe des Auguste-Viktoria-Gymnasium hat die Trierer Denkmal-Aktiv-Rallye „Auf den Spuren der von Pierre Fourier gegründeten Welschnonnen in Trier“ entwickelt, in der historische und architektonische Bauten aus der Zeit des Pierre Fourier nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erschlossen werden. Im Auguste-Viktoria-Gymnasium ist der Wahlspruch „Omnibus prodesse – nemini obesse!“ in der Übersetzung „Für alle offen sein, sich niemandem verschließen“ präsent.
Im Netz der UNESCO-Projektschulen tritt das Auguste-Viktoria-Gymnasium in Unterricht und Projekten ein für Weltoffenheit, Toleranz, geistige Werte, Solidarität, Menschenwürde, Chancengleichheit und die Erfordernisse der Zeit. Damit setzt das Auguste-Viktoria-Gymnasium das fort, was die Augustiner Chorfrauen der Congrégation Notre Dame begonnen hatten. Zwei Beispiele möchte ich herausgreifen:
Im Rahmen unserer Partnerschaft mit Indien besuchen regelmäßig Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler die Projektregion in Mangalapuram, in der nach nur acht Jahren Zusammenarbeit durch das Engagement des Auguste-Viktoria-Gymnasiums 15 neue Schulen für über 3000 Kinder gebaut werden konnten. Der Bau von weiteren Schulen steht an. „Schulbesuch statt Kinderarbeit“ lautet die Devise dieses UNESCO-Projektes.
Bildung, Erziehung und Chancengleichheit haben Pierre Fourier und Alix Le Clerc zum Ziel gehabt, damals wie heute wichtige und zentrale Heraus-forderungen. Was lange Zeit zu wenig Beachtung fand, ist zu einem Hauptthema der Bildungspolitik geworden.
Neben der Förderung benachteiligter und lernschwacher Kinder und Jugendlicher ist die Aufmerksamkeit auch für besonders Begabte erhöht worden. Seit einigen Jahren ist das Auguste-Viktoria-Gymnasium eine Schule für Hochbegabten-förderung / Internationale Schule. Dieses Angebot wendet sich an hochbegabte Schülerinnen und Schüler von außergewöhnlicher Intelligenz, Motivation und Leistungsfähigkeit sowie an Schülerinnen und Schüler mit internationalem Hintergrund. Diese Schülerinnen und Schüler werden wie alle Schülerinnen und Schüler unserer Schule im Geist der UNESCO erzogen und gebildet. Sie sollen lernen, ihre besonderen Fähigkeiten und Begabungen in die Gemeinschaft einzubringen. Unser Ziel ist es, alle unsere Schülerinnen und Schüler zu weltoffenen, verantwortungsbewussten und interkulturell kompetenten Persönlichkeiten zu erziehen und bilden.
Sehr geehrte Schwestern, sehr geehrte Assoziierte der Congrégation Notre Dame,
am heutigen Tag der Deklaration der Menschenrechte wird die Reliquie des hl. Pierre Fourier, die Sie, verehrte Sr. Superieure Générale, der Welschnonnenkirche anvertraut haben, in einem feierlichen Pontifikalamt enthüllt werden. Pierre Fourier kehrt damit nach Trier zurück. Ich möchte betonen, dass dieses Ereignis Auftrag und Verpflichtung zugleich ist, den pädagogischen Pioniergeist von Pierre Fourier und das kulturelle der Welschnonnen in Trier nicht zu vergessen, sondern in Ehren zu halten.
Ich heiße Sie alle nochmals ganz herzlich willkommen und freue mich jetzt auf den Vortrag von Sr. Dorothea, der das Thema „Der hl. Pierre Fourier und Trier“ behandeln wird. Ich wünsche Ihnen allen einen angenehmen Aufenthalt in unserer Stadt Trier, die in Frankreich, Deutschland, Belgien und Luxemburg keine unbekannte ist. Die „Welschnonnen“ und Assoziierte der Congrégation Notre Dame sind im Ensemble aus Welschnonnenkirche und dem ehemaligen Kloster, heute Auguste- Viktoria-Gymnasium Trier, stets willkommen.
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